Einbau einer LED-Lampe in ein Blitzrohr

Zu der Zeit, als ich mir meine digitale Fotoausrüstung zugelegt habe (Canon EOS 300D im UK-Germany Gehäuse), gab es noch keinen einzigen Unterwasserblitz der E-TTL fähig war. Da ich nicht auf TTL verzichten wollte, blieb also nur die Option, einen Canon Systemblitz im Blitzrohr zu verwenden. Von den fotografischen Ergebnissen bin ich bisher mit dieser Lösung auch sehr zufrieden. Um den Blitz auszurichten oder bei wenig Licht dem Autofokus die Arbeit zu erleichtern, habe ich mit Gummibändern eine Lampe (Underwater Kinetics D4) am Blitzrohr befestigt. Auch eine gute Lösung mit der man eigentlich zufrieden sein konnte. Allerdings hat mir die Lampe für Nachttauchgänge nie ausgereicht, vor allen Dingen, weil sie den Lichtstrahl ziemlich eng fokussiert. Das hieß also, für Nachttauchgänge wurde noch eine zusätzliche Lampe mitgeführt. Wer schon einmal probiert hat, mit einer Spiegelreflex und Blitz im Alu-Gehäuse in der einen Hand und einer großen Lampe in der anderen, einen Tauchgang durchzuführen und dabei noch die Kamera zu bedienen und zu tarieren, der weiß, was für ein Krampf das ist. Es ist zwar machbar, aber richtig Spaß macht es nicht.
Nachdem ich bei einem Freund einen Subtronic-Blitz mit eingebauter Lampe gesehen hatte, beschloß ich, das ich genau das auch brauche. Etwas Platz oberhalb und unterhalb des eingesetzten Systemblitzes war im Blitzrohr vorhanden, also sollte dort noch eine Lampe Platz finden.
Meine Anforderungen waren:
– Die Helligkeit der Lampe muß für einen Nachttauchgang ausreichen
– Die Lampe muß mindestens den Bildauschnitt eines 50mm Makro vollständig ausleuchten
– Die Lampe muß mindestens 1,5 Stunden brennen
– Es muß die Möglichkeit eines eng fokussierten Lichtstrahls zum Ausrichten des Blitzes geben.
– Das Licht zum Ausrichten des Blitzes muß auch tagsüber sichtbar sein
Die Lösung:
LED-Technik. Platzsparend, Stromsparend und inzwischen ausreichend hell. Zum Blitzausrichten sollte eine Laser-LED dienen. Das Schalten der Lampe sollte über einen Reed-Kontakt erfolgen, damit ich keine Bohrung in das Blitzrohr einbringen mußte.  Innerhalb des Blitzrohres sollte die Ansteuerung der LED´s dann über ein elektronisches Stromstoßrelais mit folgenden Schaltstufen erfolgen: Laser-LED, Lampe, Aus.

1) Bau des Stromstoßrelais
Den original Schaltplan für das Stromstoßrelais findet Ihr hier. Ich habe den Schaltplan etwas abgeändert. Die Schaltung mußte auf drei Ausgänge angepaßt werden. Außerdem reicht der Strom an den Ausgängen des Stromstoßrelais nicht, um die LED´s direkt zu betreiben. Ich mußte daher zusätzliche Relais vorsehen. Dort, wo in den Schaltplänen die Leuchtdioden mit ihren Vorwiderständen eingezeichnet sind, habe ich als Relais Optokoppler verbaut (PVAZ172N, erhältlich z. B. bei Conrad). Als Vorwiderstände für die LED-Seite der Optokoppler dienen 180 Ohm Widerstände. Die Optokoppler sind für einen Strom von maximal 1 Ampere ausgelegt.
Der Taster S1 im Originalschaltplan wird durch einen Reedkontakt ersetzt (ebenfalls bei Conrad erhältlich).
Als Stromquelle dienen mir 4 Mignon Akkus in Reihenschaltung.
Ich denke, die Schaltung auf der genannten Webseite ist für jeden, der mit einem Lötkolben umgehen kann, problemlos nachzuvollziehen und nachzubauen.
Wie man an den Bildern sieht, bin ich auch kein Held am Lötkolben. Aber egal, Hauptsache das Ding funktioniert.
Ich habe später die Rückseite noch mit Heißkleber vergossen, um Stabilität und Isolierung zu verbessern.

2) Bau der LED-Einheiten
Erst wird der Innendurchmesser das Blitzrohres vermessen und, am besten mit einem Dremel, entsprechend ein Kreis aus einer Leiterplatine ausgeschnitten. Dann setzt man den Blitz in das Blitzrohr ein und mißt, wieviel Platz ober- und unterhalb des Blitzes verbleibt. Entsprechend dieser Maße werden die Ausschnitte aus der kreisförmigen Platine vorgenommen. Jetzt wird getestet, wieviele LED´s man auf den jeweiligen Ausschnitten anbringen kann. In meinem Fall konnte ich auf einer Seite fünf 10 mm LED´s, die Laserdiode und vier 5 mm LED´s unterbringen, auf der anderen Seite drei 10 mm LED´s und acht 5 mm LED´s.
Die 10 mm LED´s habe ich von LED1. Die 5mm LED´s stammen von einem Shop aus Hongkong, sie sind heller als die in Deutschland erhältlichen. Nehmt die hellsten LED´s die Ihr kriegen könnt, denkt aber auch daran, das Ihr einen gewissen Abstrahlwinkel braucht, um Euer Objektiv voll auszuleuchten.
Das Lasermodul habe ich für ca. 15 Euro bei Ebay ersteigert. Das Modul enthält eine 10 mW Laserdiode. Ich habe das Lasermodul auf breitere Streuung gestellt, damit der Punkt auch durch den Sucher sichtbar ist. Achtung: Die Leistung der Laser-LED ist auf enger Fokussierung groß genug, um Augenverletzungen hervorzurufen!
Als nächstes habe ich die Platinen mit Spiegelfolie (auch von Ebay) beklebt, um einen gewissen Reflektoreffekt zu erzielen. Die Spiegelfolie habe ich auch um den Kopf des Blitzes und auf das Innere der Blitzröhre geklebt.
Jetzt werden die LED´s auf die Platinen gesteckt, verlötet und mit Vorwiderständen versehen. Die Berechnungsgrundlagen für die Vorwiderstände (Ohmsches Gesetz) findet ihr bei LED1.
Das weitere Vorgehen erklären die Bilder.

Analog zur obigen Beschreibung wird dann das zweite LED-Modul gebastelt.

3) Zusammenbau


4) Meine Erfahrungen
Ich habe mit dem Blitz inzwischen einige Nachttauchgänge sowohl im Salzwasser wie auch in heimischen Seen durchgeführt. Die Lampe ist hell genug, um überall genug Licht zu liefern. Sie ist natürlich nicht so hell wie eine dicke Halogenlampe, ich brauche es aber beim Nachttauchgang auch nicht taghell unter Wasser. Der Lichtkegel ist schön breit gestreut.
Also: Das Experiment war ein voller Erfolg, ich bin wirklich zufrieden. Meine große Lampe nehme ich schon gar nicht mehr mit in den Urlaub.
Die Laser-LED ist in hellem Sonnenschein auf einem Sandgrund nicht sichtbar. Auf einem dunklen Untergrund und bis ca. 1,5 m Entfernung ist sie aber auch tagsüber zu sehen. Allerdings benutze ich sie kaum noch, da ich inzwischen den Blitz nur noch nach Augenmaß ausrichte.
Update 2012: Ich nutze diese Lampe und den Blitz immer noch, inzwischen mit der Canon EOS 600D. Allerdings werde ich noch dieses Jahr auf zwei Inon Blitze umsteigen. Und inzwischen gibt es ja auch kleine, leichte und leistungsfähige Fokuslampen.

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