Safaga 2002 – Tec Deep Air

Nach unserer Safari auf der MY Mermaid sind Uwe, Andi und ich nach Safaga ins Orca Village gefahren. Wir wollten dort noch Tauchkurse absolvieren. Andi und Uwe den „Deep Air“ und ich den „Technical Deep Air“.
Mein bisher anstrengendster Tauchkurs hier in Tagebuchform:

Montag, 24.6.2002:

Wir hatten gestern schon erfahren, das unsere Kurse erst morgen starten würden, da die Tauchlehrer (Andi und Sirko) noch mit anderen Schülern beschäftigt waren. Das bedeutete, das wir heute noch einmal zwei schöne, ruhige Tauchgänge machen konnten, bevor der Streß losging.

Ras Abu Soma:
Schöner ruhiger Tauchgang. Wir haben unterwegs Maskenkugelfisch-City entdeckt, ein Platz an dem sich 22 Maskenkugelfische auf einmal aufhielten. Ob jetzt Paarungszeit ist? Oder wie heißt das bei Fischen?
Tauchzeit: 58 min., Tiefe: 17,9 m

Tobia Hamra
Superschöner Korallengarten. Prachtsternschnecken gesehen.
Tauchzeit: 50 min., Tiefe: 21,4 m

Nach dem Tauchen erstmal ein kleines Dekobier, dann ab zum Abendessen. Unsere erste Feststellung: Das Essen im Orca Village ist immer noch so schlecht wie die letzten Jahre. Warum wird eigentlich der Koch nicht mal gefeuert?
Dann noch ein kleines Bierchen in der Shisha-Bar und ab in die Kiste. Aber kaum lagen Andi und ich im Bett ging vor der Tür das große Theater los. Batmann, der heimliche Chef der Tauchbasis, begehrte Einlaß. Er meinte wohl, warum sollte er draußen schwitzen, wenn wir drinnen eine schöne, kühlende Klimaanlage haben?

Dienstag, 25.6.2002:

So, heute ging’s los. Wir waren alle ein wenig unsicher, da wir nicht so genau wußten, was auf uns zukam. Ich hatte zwar den Deep-Air Kurs schon hinter mir, wir hatten aber von Andy erfahren, das er und Sirko die Kursinhalte deutlich erweitert hatten. (Bitte nicht Andy den Tauchlehrer mit Andi (Andrea) meiner Freundin verwechseln!). Die Kurse hatten also mit den Kursen, wie sie normalerweise von ITD durchgeführt werden, nicht mehr viel zu tun. Wir haben also wirklich was gelernt, die Standardkurse von ITD sind meiner Meinung nach zur Zeit auch etwas knapp ausgelegt (freundlich ausgedrückt).
In den folgenden Beschreibungen werde ich mich hauptsächlich auf meine Erfahrungen beziehen, was Andi und Uwe erlebt haben, könnt Ihr vielleicht irgendwann auf Uwes Homepage nachlesen. Nur soviel: Ich war froh, das ich Andy als Tauchlehrer hatte, der in der Lage war, bei den Nachbesprechungen der Tauchgänge auch motivierende Worte zu finden.

Wir begannen den Kurs morgens mit der Ausrüstungsvorbereitung. Hier gab es schon einiges zu tun, bis bei jedem die Ausrüstung stimmte, dauerte es schon einige Stunden.
Mein Equipment:
– OMS-Backplate mit redundantem 45 Liter Wing.
– Doppel 12er Flaschen
– 2x 10 Liter Alu-Stages
– 1 Apeks TX 50, 1 Apeks TX 100 und von der Basis zwei Apeks TX 40 für die Stages.
– 2 Uwatec Finimeter
– 2 Masken
– 1 Reel
– 1 Hebesack

„Hausriff“ Orca Village
Nachmittags kam dann der erste Übungstauchgang vom Strand aus, um mit der ungewohnten Ausrüstung erstmal vertraut zu werden. Allein das ins Wasser kommen war schon schwierig. Habt Ihr schon einmal versucht, mit einer Doppel 12er und mit zwei 10er Stages über weichen Sand ins Wasser zu gehen? Da kommt man sich vor als ob sich die Schwerkraft verdoppelt hätte.
Dann ging´s direkt mit folgenden Übungen los:
– Jacket mit Stages an der Oberfläche an und ausziehen.
Abtauchen zur Übungsplattform auf ca. 5 m Tiefe, dann:
– Einen 15 Kg Bleigurt aufnehmen und mit einem Druck auf den Inflator anheben. Ziel: Ohne Nachkorrigieren direkt austariert sein.
– Schwimmen ohne Maske
– Wechsel von Maske auf Ersatzmaske
– Dann Maske abgeben und eine Maske mit schwarz angemalten Gläsern und Löchern unter der Nase anziehen. Damit folgende Übung durchführen: Jacket und Stages auf der Plattform ablegen, Automat aus dem Mund nehmen und am Rand der Plattform ablegen, dann am Plattformrand vom Automaten entfernen, wieder zurück, Automat in den Mund und alles wieder anziehen.
Bei der letzten Übung habe ich leider völlig versagt. Es gelang mir einfach nicht, blind das ganze Gerödel ohne Hilfe wieder anzulegen. Hat mich schon ein bischen genervt.
Tauchzeit: 65 min., Tiefe: 4,6 m

Mittwoch, 26.6.2002:

Heute ging´s mit dem Boot raus. Vor dem an Bord gehen erfolgte immer der gründliche Check der Ausrüstung, auf den unserer Lehrer besonders Wert legten. Dabei tauchten immer wieder komische Fehler auf: Eine zweite Stufe löste sich vom Schlauch, Membranen waren umgeknickt, es waren Knoten in den Reels, mein Entlüftungsventil vom Jacket war in der offenen Position blockiert, usw…
Natürlich hatte niemand seine Hand im Spiel…

Sandy Island
Erst ein bischen tauchen, zur Gewöhnung an das ganze Gerödel, dann Übungen:
– Valve shut down (Zu- und aufdrehen der Flaschenventile und der absperrbaren Brücke)
– Schwimmen ohne Maske.
– Apnoe-Tauchen mit Gerät, Ziel: mindestens 60 Sekunden oder 20 m. (Mann, können 60 Sekunden lang sein!).
– Blind Jacket und Stages ablegen, Reel am Automaten befestigen, dann am Reel vom Automaten entfernen, Mit Hilfe des Reels zurück zum Automaten und alles wieder anlegen.
– Wechsel von Maske auf Ersatzmaske.
– Hebesack setzten.
Tauchzeit: 41 min., Tiefe: 20,1 m

Sandy Island
Übungen:
– Valve shut down (Zu- und aufdrehen der Flaschenventile und der absperrbaren Brücke)
– Frei schwebend über dem Grund Stages ab- und anlegen.
– Schwebend Jacket mit Stages ab- und anlegen.
– Hebesack setzten.
Danach noch etwas Tauchen.
Tauchzeit: 57 min., Tiefe: 8,3 m

Heute klappte es alles etwas besser als gestern, trotzdem hatte ich das Gefühl, als wäre ich noch nie tauchen gewesen. Ich kam mir vor wie ein absoluter Anfänger. Dazu kam auch noch, das unsere Ausbilder versuchten, eine Atmosphäre von Streß zu verbreiten. Sie wollten uns wohl daran gewöhnen, Probleme unter Streß zu beheben.

Donnerstag, 27.6.2002:

Und weiter geht´s. Wir sind alle ein wenig frustriert. Die dauernde Streßmacherei und das Gefühl, als erfahrene Taucher nicht mit unserem Gerödel klar zu kommen, nimmt uns doch ziemlich mit.

Middle Reef
Übungen:
– Rescue-Übung: Tec-Diver aus 6 m Tiefe bergen, oben ausziehen, sich selber ausziehen und Verunfallten zum Boot bringen. Das Tarieren und vorsichtig nach oben bringen ist mit dem ungewohnten Zeug ziemlich schwer. Gut, das mich kein Schüler aus dem letzten Rescue-Kurs in Wiesbaden gesehen hat.
– In voller Ausrüstung ohne Luft im Jacket sollten wir uns eine bestimmte Zeit (ich glaube 1-2 Minuten, hab´s vergessen) an der Oberfläche halten. Bei dieser Übung bin ich fast ertrunken. Ich wollte einfach nicht aufgeben und Luft in´s Jacket geben, solange ich mich immer noch für einen kurzen Atemzug nach oben kämpfen konnte. Andy hat mich dann irgendwann erlöst, indem er nach mir griff und mein Jacket aufblies.
– Ohne Maske Stages ablegen, aneinander sichern, Reel daran befestigen und dann am Reel 30 m von den Stages entfernen. Dann am Reel zurück und Stages anlegen.
– Valve shut down.
– Gaswechsel von Luft auf EAN32.
– Hebesack setzten.
Tauchzeit: 20 min., Tiefe: 6,5 m

Middle Reef
Tec Deep Air Tauchgang nach Run Time Table: 10 min. / 45m. Gase: Air, EAN32, EAN80.
Danach Übungen:
– Valve shut down.
– Beim Tauchen Jacket mit Stages ab- und anlegen.
– Hebesack setzten.
Tauchzeit: 52 min., Tiefe: 45,6 m

Freitag, 28.6.2002:

Langsam fühle ich mich etwas sicherer. Ich habe mein Blei um 2 Kg reduziert und die Stages etwas höher angebracht, dadurch wurde auch meine Schwimmlage besser.

Panorama Reef
Tec Deep Air Tauchgang nach Run Time Table: 5 min. / 60m. Gase: Air, EAN32, EAN80.
Tauchgang beendet mit Hebesack setzten.
Tauchzeit: 40 min., Tiefe: 60,2 m

Panorama Reef
Ein wenig tauchen, dabei Übungen:
– Valve shut down.
– Gaswechsel
– Hebesack setzten.
Tauchzeit: 41 min., Tiefe: 10,5 m

Samstag, 29.6.2002:

Abu Kafan
Vor dem Tauchgang Übungen:
– Rescue-Übung
– Strampelübung (Obenhalten ohne Luft im Jacket). Wieder fast ertrunken.
Die Übungen waren wohl nur dafür gedacht, uns vor dem abschließenden Tauchgang noch einmal richtig zu stressen.
Dann Tec Deep Air Tauchgang nach Run Time Table: 5 min. / 65m. Gase: Air, EAN32, EAN80.
Tauchgang beendet mit Hebesack setzten.
Endlich beim Tauchen mal wieder was gesehen: Eine Weißspitze und 3 Thunfische.
Tauchzeit: 57 min., Tiefe: 65,4 m

So, das war der letzte Tauchgang des Kurses. Andy hatte gesehen, das ich in der Lage war, nach Run Time Table zu tauchen und auch mit auftretenden Problemen fertig zu werden. Meinem Tec Deep Air stand also nichts mehr im Weg, außer der theoretischen Prüfung am Abend. Die erwies sich auch nicht als allzu schwer, so das ich mich jetzt mit einem neuen Brevet schmücken konnte. Uwe und Andi hatten Ihre Scheine auch bestanden.
Mein Fazit des Kurses: Ziemlich viel Streß, einiges an Frustration, aber am Ende dann doch das gute Gefühl viel gelernt zu haben.
Was mir immer unverständlich bleiben wird: Einerseits wird im Begleitbuch zum Kurs vor tiefen Tauchgängen mit Luft aufgrund der Gefahren durch Tiefenrausch und hohen Sauerstoffpartialdruck gewarnt, auf der anderen Seite muß man diese Tauchgänge machen, um sich für den Trimixkurs zu qualifizieren.

Sonntag, 30.6.2002:

Unser letzter Tag in Safaga. Andi und Uwe wollten heute einen ruhigen Tag machen und kamen nicht mit aufs Boot. Ich wollte zum Abschluß des Urlaubs noch einen richtig ruhigen Tauchgang machen und auch noch ein wenig mit dem Tec-Equipment üben.

Tobia Hamra
Alleintauchgang.
Den Tauchgang habe ich richtig genossen. Das Riff ist superschön. Ich bin vom Riff weggetaucht, bis es nicht mehr tiefer ging, dann wieder hoch und über den Korallengarten zurück.
Übungen:
– Jacket und Stages aus- und anziehen
– Gaswechsel
– Valve Shut Down
– Maskenwechsel
– Hebesack setzten
Tauchzeit: 68 min., Tiefe: 36,4 m

Damit war unser Urlaub dann leider beendet. Wir hatten allerdings alle drei das Gefühl, erst noch einmal eine Woche zu brauchen, um uns von der ganzen Taucherei zu erholen. Insgesamt 52 Tauchgänge und ein anstrengender Kurs waren doch etwas heftig. Aber trotzdem war´s geil!
So, wenn wir jetzt zu Hause sind, muß im Laufe der nächsten Monate die Ausrüstung ergänzt werden. Ebay, ich komme! Dann heißt es erst einmal Erfahrungen sammeln, um mich für den abschließenden Trimix-Kurs zu qualifizieren.

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